Was zwischen uns läuft

Das Familienleben soll für alle Sinn und Spass machen. Es darf doch weder Eltern noch Kinder ständig frustrieren! Zu viele Menschen sind heute in Familien zusammen und doch alleine, sind unglücklich, erschöpft und merken viel zu spät, dass irgendwas leider doch nicht ganz so ist, wie es für sie hätte sein könnten.

Glücklicherweise zeigen uns oder andern die Kinder dann durch ihr Verhalten, dass etwas nicht stimmt. Und statt wegzusehen oder anderswo erstmal Hilfe fürs Kind zu suchen, können wir uns ums Zusammenspiel, also um das was zwischen uns abläuft, kümmern. Denn darum geht es! Um das, was zwischen uns läuft. 

Es geht nicht darum, eine neue  Erziehungsmethode kennen zu lernen. Davon gibt es ja in Sachen „Kindererziehung“ unterdessen eine ganze Menge.  Man kann sich in Kursen, im Internet und mit Büchern über das ganze bestehende Angebot schlau machen. Vielleicht begegnet man einer Art, einem Konzept oder was auch immer und denkt: "Jetzt endlich habe ich das ultimative Rezept gefunden!" Das will man ausprobieren und stellt dabei mit der Zeit vielleicht fest: die Methode hat in der eigenen Familie versagt. Oder aber sie funktioniert mit dem einen Kind, mit dem andern dagegen überhaupt nicht. Weil es eben eine Methode ist, weil sie vielleicht nicht passt, weil Kinder Kinder und keine Objekte von uns sind, weil wir nicht so konsequent sein können oder nicht mehr wollen, weil kein Kind so ist wie das andere und weil wir selbst nicht immer gleichermassen und „nach Buch“ funktionieren. Weil der Mann anders denkt als die Frau und weil die Schwiegermutter hütet und sowieso und überhaupt. Oder magst du beispielsweise die Musik der Kinder immer in derselben Lautstärke hören? Kannst du immer Geschichten erzählen oder zuhören? Wir sind schliesslich Menschen und keine Roboter! Wir Eltern sind nicht in der Lage, immer das Beste zu leisten, auch wenn wir das noch so wollen!

Wir alle haben nun mal eigene Grenzen, die sich dehnen und strecken aber auch immer wieder von andern übertreten lassen. Dabei sind wir Menschen viel lernfähiger, als wir es allgemein für möglich halten. Aber wenn wir in brenzlige und für uns ungemütliche Situationen kommen, tendieren wir in der Regel nicht dazu, in Ruhe und Gelassenheit was Gelerntes, Neues auszuprobieren. Wir werden stattdessen uns Bekanntes anwenden! Wir greifen viel zu schnell auf unsere alten und schlechten Gewohnheiten zurück. Auf das, was wir vielleicht selber erlebt haben, auch wenn wir dies noch so mies finden.

Meist verstärken wir dann auch noch das, was wir immer schon gemacht haben. Wir denken, es einfach länger oder wohl besser machen zu müssen. Wir ziehen die Zügel an, werden lauter, wütender, strenger mit den Kindern, dem Partner, unseren Kollegen und auch uns selbst gegenüber. Wir versuchen, Macht auszuüben, richten die Augen auf das Verhalten der andern und bewerten dabei alles und jenes, statt den Fokus auf die Beziehung zwischen uns zu richten.

Dann schreien wir plötzlich rum wie der eigene Vater, oder wir knallen die Türen, dass es bebt. Wir drohen den eigenen Kinder mit dummen Strafen, machen ihnen vielleicht Angst und sprechen dabei von Konsequenzen. Wir üben unsere Macht aus, und statt in uns zu ruhen stehen wir neben uns.

Doch es geht eben auch anders! Wenn wir Eltern anfangen, unsere eigenen Grenzen zu achten statt jene für die Kinder zu definieren, dann verändern wir mit unserem Denken schon ziemlich viel. Und die ganze Sache macht wieder Sinn und Spass, wenn wir uns allem achten, was uns gefällt. Das ist manchmal gar nicht so einfach, aber enorm wichtig. Denn wenn wir es nicht selber für uns tun, dann tut es niemand! Es gibt ganz viele ... ich meine all die abertausend schönen, lustigen, spannenden, genussvollen, glücklichen Momente in unserem Leben mit den Kindern.

Und was hat dir heute bis jetzt gut gefallen? 

Herzlich, Tonia von Gunten

www.elternpower.ch