Was tue ich, wenn mein Kind nicht ... ?

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Manche Eltern lassen ihre Kinder einfach so aufwachsen, wie es gerade passt. Sie kümmern sich ...

nicht wirklich darum, wie miteinander umgegangen wird. „Wir haben die Kinder ja gern!“ Die liebevollen Gefühle sind da, werden aber nicht unbedingt in liebevolles Verhalten gewandelt. Die Erziehung ist so quasi Nebensache, schliesslich werden die Kinder doch alle von alleine gross! Andere sind quasi rund-um-die-Uhr beschäftigt, ihre Kinder zu erziehen. Von einer Sorge zur Nächsten, welch ein Stress! Nie hören sie damit auf, ihre Kinder los zu lassen. Vom Kindergarten bis zur Fahrprüfung machen sie sich Sorgen. Manche wollen ALLES richtig machen, lesen jeden Erziehungsratgeber, den sie finden, hinterfragen das meiste, was sie und ihre Kinder tun und sagen. Wiederum andere sagen sich: „So wie es meine Eltern gemacht haben, mach’ ich es auch. Kam ja schliesslich nicht schlecht heraus, oder?“ Bei andern sind die Kinder an der Macht und haben die Verantwortung dafür, wie man miteinander umgeht, quasi übernommen. Chaos ist die Folge!

Und dann gibt es Eltern, die mit der Zeit feststellen, dass sie Lust auf etwas Neues haben. Einfach mal etwas Anderes ausprobieren, warum denn auch nicht? Sie wünschen sich vielfach Rezepte oder Anleitungen, wie sie mit ihren Kindern oder Jugendlichen auf eine andere Art umgehen können. Warum verhält sich mein Kind so? Was, wenn ich nicht mehr weiter weiss? Was tue ich, wenn mein Kind nicht Zähne putzt/ schläft/ isst/ aufräumt/ Hausaufgaben macht/ hilft oder ruhig wird? Und was, wenn die grosse Tochter nicht mehr mit mir reden will?

Ich bin der Meinung, dass alle Menschen ihre Methoden haben. Irgendwie gehen wir ja mit andern um. Und dabei gibt es solche, die funktionieren, und andere, die wir besser über Bord werfen sollten. Aber ein Rezept, das für alle funktioniert, das gibt es nicht. Manche sprechen sich heute wieder für die Disziplinierung der Kinder aus. Dies ist das Gegenteil von meiner Haltung. Ich finde es schlimm wenn Kinder, ob zu Hause oder in der Schule, nur dazugehören und mitmachen dürfen, wenn sie sich still, brav und angepasst verhalten.

„Der Umgang mit Kindern ist ein Training, und alle können dabei lernen.“

Früher galt es ja, die Söhne und Töchter gehorsam zu machen. Es hiess: „Du sollst hören, sonst musst du fühlen.“ Heute geht es zum Glück den meisten Eltern (und manchen Pädagogen) viel mehr um die Beziehung. Wir fragen uns, welche Auswirkung unser Tun auf die Kinder hat und was wir uns persönlich wünschen. Wir machen uns Gedanken, welche Haltung und Werte wir leben und was wir unseren Kids davon gern mit auf den Weg geben möchten. Die heutigen Kinder sollten statt Gehorsam lernen glücklich werden, immer selbstständiger sein, Probleme lösen können sowie dabei ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln.

Wir können mit den Kindern besprechen, was uns persönlich wichtig ist. Und sollten dann genau hin hören, was die Kinder darüber denken und zu sagen haben. Lassen wir ihnen immer wieder Zeit zum Üben. Wie man das macht und worauf wir Eltern uns bei einem Dialog mit unseren Kindern achten können, kann man gut trainieren und lernen.

Manche Eltern sind wirklich erleichtert, mal eine Art Landkarte zu sehen, etwas, wonach man sich im Umgang mit den Kindern eine Zeitlang orientieren kann. Denn es gibt fast nichts, was von der Geburt eines Kindes bis zu dessen Auszug gleich bleibt! Einige Eltern sagen dann: „Bei uns klappt das nie!“ Kann gut sein. Aber wenn immer wieder Sturm auf hoher See herrscht, kann etwas Neues, dass Stabilität in eine Familie bringt, sehr von Nutzen sein.

Es ist toll für Kinder, wenn ihre Eltern sich entwickeln wollen. Und es macht überhaupt nichts, wenn wir dabei täglich in Konflikte geraten, Fehler und dazu noch ein paar Dummheiten machen. Dabei ist für mich das Allerwichtigste die innere Haltung der Eltern, die ist nämlich immer im Spiel. Was ist mir so wichtig? Worüber mache ich mir Gedanken? Was will ich ändern? Was läuft gut? Ich persönlich liebe es, wenn wir spüren und herauszuarbeiten, um was es bei uns zu Hause eigentlich geht. Und wie wir es schaffen, dass niemand kaputt geht und alle in der Familie ihr Glück finden. Was es zum Beispiel für ein Kind heisst, zu kooperieren oder seine Integrität zu wahren. Und wie ein Kind und wir Eltern lernen, beides unter einen Hut zu bringen. Was es mit der Gleichwürdigkeit auf sich hat und warum Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen nicht dasselbe sind. Dies sind Aspekte, denen wir vermehrt unsere Aufmerksamkeit schenken sollten.

Auch wenn uns Eltern heute niemand mehr sagen kann, was bei der Erziehung von Kindern richtig und was falsch ist ... Es tut gut zu erleben, wie das Zusammenleben gelingen kann. Es gibt nichts Besseres in der Familie als wenn Eltern die Verantwortung übernehmen und das Leben mit ihren Kindern voll und ganz geniessen.

Tonia von Gunten

(Text aus dem Buch "Sollte aufräumen, will aber nicht", blue bubble Verlag)