Selber einschlafen können. Hex! Hex!

Viele Kinder wollen abends gar nicht ins Bett. Und schon gar nicht ins eigene. Sie beginnen ihre Nachtruhe mit Jubel und Trubel, oftmals grossen Bett der Eltern.

Manche Kinder bleiben dort die ganze Nacht und andere werden später schlafend ins eigene Zimmer getragen. Wie immer die Kinder auch einschlafen – wenn es so für alle stimmt, ist es völlig ok! Doch viele Eltern im meinen Beratungen erleben diese Tatsache mit der Zeit als sehr belastend. „Ein riesen Theater ist das!“ klagte mir die Klientin Frau K., Mutter von zwei Kindern, 4 und 7 Jahre alt. „Jeden Abend dasselbe bei uns! Mir graut jeweils vor diesen Stunden, bis beide Kinder endlich ruhig werden und schlafen. In der Nacht geht’s dann meist noch weiter. Da wird nach uns gerufen, dann steht das eine auf, schleicht in der Wohnung umher, hat Durst oder Angst oder was weiss ich. Auf alle Fälle liege ich dann wach. Ich möchte ja schon, dass es den Kindern gut geht, aber so stimmt es einfach nicht mehr. Was könnten wir bloss tun?

Nun, es besteht die grosse Hoffnung, dass sich das Einschlaf-Prozedere bei Familie K. verändern kann:

Lasse dir die Sache in Ruhe durch den Kopf gehen und überlege, was möglich sein könnte und wie ihr es gerne hättet. Dann erzählst du den Kindern, was du dir wünschst und wie es von nun an laufen sollte. Das könnte in etwa so tönen: „Kinder, das zu Bett gehen ist ein Theater. Von nun an schläft jeder im eigenen Bett. wir räumen zusammen auf, ziehen den Pyjama an, putzen die Zähne, stellen die Wasserflasche zum Trinken hin und erzählen uns ein Buch. Danach bringe ich oder Papi euch zu Bett. Wir singen oder sprechen noch kurz was Schönes, sagen uns dann gute Nacht und lassen euch die Ruhe. Nach 5 Minuten kommen wir nochmals rein und sehen nach euch. Und dann wünsche ich mir, dass ihr im Bett bleibt und bald mal einen guten Schlaf findet. Das üben wir nun und wir glauben, das ihr das jetzt schafft!“

Ich denke, dass wir den Kindern dabei helfen können, selber einschlafen zu lernen. Auch wenn sie das vielleicht nicht wollen und sich selber auch nicht zutrauen. Aber es kann wie so vieles andere wirklich gelernt werden! Viele Kinder erwachen mehrmals in der Nacht, und wer es sich gewohnt ist, selber wieder den Schlaf zu finden, wird in der Regel sein Bett auch nicht verlassen, um bei den Eltern wieder einzuschlafen. Natürlich ist es jeder Familie selber überlassen, wie und wo sie ihre Kinder einschlafen lassen. Vielleicht ist ein Familienbett genau das Richtige für alle. Es gilt dabei zu überlegen, ob es heute WIRKLICH noch für alle das Passende ist. Vielleicht ist nun die Zeit gekommen, wo jeder und jede in ihrem eigenen Bett einschlafen lernen sollte. Vielleicht aber auch nicht. Ich denke, das muss jede Familie selber herausfinden. Es gibt da für mich kein Erfolgsrezept mit Wohlfühl & Geling-Garantie im Sinne von: „Glücklich einschlafen in 10 Tagen.“

Frau K. lacht und nickt, denkt nach und fragt: „Gut, aber dann rufen die Kinder sicher weiter die ganze Zeit nach mir. Was soll ich da tun?“

Lasst euch allen die Zeit, die ihr dazu braucht. Nichts geht so schnell wie bei Bibi Blocksberg: „Hex Hex!“ Ich könnte mir vorstellen, dass ein Kind aber bald damit aufhört, sobald es sich im Dunkeln auch ohne Eltern wohl und sicher fühlt und die Kuschelmomente tagsüber kriegt. Wir können es in einer ruhigen Minute am Tag auch direkt ansprechen: „Du rufst ja oft nach mir in der Nacht. Kannst du mir sagen, worum es dir da wirklich geht?“ Vielleicht ist es ja nur die Gewohnheit. Oder es hat Angst. Wie auch immer, hören wir, was es zu sagen hat. „Das kann ich gut verstehen. Ist ja auch so dunkel und ruhig, oder? Vielleicht könntest du statt mit uns ja noch ein bisschen mit den Tieren im Dunkeln plaudern? Ich könnte dir eine kleine Nachtlampe und eine Wasserflasche zum Trinken neben das Bett hinstellen. Und du kannst dich darauf verlassen, wir sind die ganze Nacht da. Wenn auch nicht im selben Bett und Zimmer. Hilft dir das? Und wenn wir jede Nacht nach 5 Minuten nochmals zu dir rein kommen, egal, ob du schon schläft oder auch nicht, wie findest du das?

Ja! Ich kann selber einschlafen. Darauf darf ein Kind wirklich mächtig stolz sein, denn so einfach ist das wirklich nicht.

Ich denke, ein Grund für eine kleine Feier wäre das schon, oder?

 

Herzlich, Tonia von Gunten