Schwierige Kinderfragen und 7 Antworten.

Wie antworten wir auf schwierige Kinderfragen? Für viele Eltern eine echte Herausforderung, denn kleine Kinder haben viele Fragen ... Und manchmal in der Öffentlichkeit ist man hin und wieder mehr als peinlich berührt,

verdreht die Augen und gibt irgendeine Bemerkung von sich. Vielleicht tönt das dann so: (leise, zischend) „Psssst! Lauf doch jetzt bitte einfach mal weiter!“ Damit man schnell aus dem Laden kommt und dem Kind nicht vor den Augen aller andern zu sagen braucht, wie peinlich das doch gerade war! Oder man ist des vielen Antworten langsam aber sicher müde und gibt plötzlich doofe oder ironische Antworten, die eigentlich weder witzig noch besonders hilfreich für das Kind sind.

 In den allermeisten Fällen ist es überhaupt nicht nötig, dass wir sofort auf jede Kinderfrage eine Antwort haben. Meist sind es eh nur komische Versuche von uns, dem Kind was Neues, Unbekanntes zu erklären. Klar können wir ehrlich mit einer kurzen Antwort reagieren. Dies macht vielfach Sinn. Vorträge halten dagegen eher weniger. Manchmal bedauert man selber seine unüberlegte Aussage, die man vielleicht nur gab, weil man müde oder überfordert war. Vielleicht versuchten wir damit, einem Konflikt oder einer peinlichen Situation auszuweichen.

 Stattdessen könnten wir unsere Antwort verzögern: „Gute Frage! Kind, das kann ich dir im Moment nicht sagen. Ich werde es mir überlegen und gebe dir heute Abend darauf eine Antwort!“ Damit zeigen wir, wie wichtig oder interessant seine Frage für uns war. Es lernt dabei, dass man im Leben nicht alles einfach so wissen kann und dass man sich selber in Ruhe Gedanken zu einer Frage machen darf. Das braucht Geduld! Vielleicht ist es auch nötig, etwas erst einmal mit einer andern erwachsenen Person zu besprechen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind eine Entscheidung wie ein NEIN der Eltern akzeptiert, ist bestimmt auch grösser, wenn es merkt, dass die Antwort gut überlegt wurde und es uns ernst damit ist.

Wie reagieren wir nun auf schwierige Kinderfragen?

Wir könnten, wenn uns danach ist, das Kind auch zurück fragen: „Was denkst du darüber?“ Die Kinder sollen ruhig mitdenken und es macht dann auch überhaupt nichts, wenn ihre Antwort nicht „korrekt“ ist. Dies machen sie natürlich nur mit, wenn es Spass macht, nicht nach jeder Frage vorkommt und wir sie danach auch nicht kritisieren, belächeln oder belehren. Ihre Ansichten sollten auch mal so stehen gelassen werden und einfach Platz im Leben haben. Redet mit euren Kindern mehr über Dinge, für die sie sich interessieren und lernt dadurch eure Kinder weiter kennen.

Alle Eltern hörten schon ähnliche Kinderfragen. Hier ein paar davon und mögliche Reaktionsmöglichkeiten zur Inspiration.

  • Wieso ist die Frau im Rollstuhl?
  • Was ist Pubertät?
  • Warum darf ich jetzt nicht gamen?
  • Mami, wie heisst dieser Mann?
  • Warum ist er so dick?
  • Wer ist der König der Schweiz?
  • Was bedeutet Quantum? Quarz? Quirl? Qualität?

 

Wieso ist die Frau im Rollstuhl?

Darauf werde ich erst mal der Frau im Rollstuhl in die Augen sehen und sie persönlich in Ruhe grüssen. Schliesslich sprachen wir gerade über sie. Danach folgt die einfachste Antwort, die es gibt: „Ich weiss es nicht.“ Bitte nicht die Kinder wegzerren und nicht hingucken lassen. Bitte keine Erklärungen erfinden wie „Sie hatte wohl einen schlimmen Unfall!“ oder „Psssst!“ Oder: „Da musst du sie selber fragen!“ sagen. Das Kind darf Interesse haben, dies ist ok. Später können wir in Ruhe mit dem Kind über Behinderungen sprechen. Ich bin ja selber gehbehindert und spreche aus eigener Erfahrung. Mehr dazu finden Sie in meinem Text: „Das dürfen Sie Ihren Kindern über Gehbehinderungen sagen.“

 

Was ist Pubertät?

„Das ist, wenn ein Kind zur Frau oder zum Mann wird.“ Dazu empfehle ich, sich Zeit zu nehmen, die Kinder früh genug und immer wieder aufzuklären.

 

Warum darf ich jetzt nicht gamen?

„Weil ich NEIN gesagt habe.“

 

Wie heisst dieser Mann?

„Das weiss ich auch nicht.“ Oder, wenn wir uns eigentlich kennen: „Guten Tag, es tut mir leid, ich habe gerade Ihren Namen vergessen. Wie hiessen Sie noch gleich?“

 

Warum ist er so dick?

Zum Mann könnten Sie sagen: „Bitte entschuldigen Sie, wir arbeiten noch daran!“ Und zum Kind: „Hey, DAS geht uns jetzt also gar nichts an!“ Später würde ich darüber mit dem Kind in aller Ruhe reden. Denn jeder Mensch ist anders. Dabei sollten wir Eltern uns selber an der Nase nehmen und versuchen, nicht immer zu beurteilen, wie die andern Menschen sind und wie sie sein sollten.

 

Wer ist der König der Schweiz?

Vielleicht mal eine Gegenfrage: „Was denkst du, wer das sein könnte?“ Meist wissen kleine Kinder schon eine ganze Menge und Sie könnten da ansetzen, bevor Sie damit beginnen, das politische System des Landes zu erklären. Einfachere Möglichkeit: Wir haben in der Schweiz keinen König. Da sind mehrere Leute, die das Land regieren.“ Vielleicht fangen wir erst einmal mit den sieben Bundesräten an. (Nachdem wir die Namen zusammen gegoogelt haben... )

 

Was ist ein Quantum? Quarz? Quirl? Und Qualität?

Falls Ihre Kinder den Buchstaben „Q“ in der ersten Klasse schon gelernt haben, erübrigt sich vielleicht die Frage. Ansonsten: Googlen! Lexikon! Selber mitdenken! Und sich dazu was einfallen lassen.

 

Tonia von Gunten, www.elternpower.ch