Kann man da noch was machen?

Diese Frage ist sicher gut gemeint, und dabei meist so was von daneben, dass es weh tut. Denn die Antwort lautet: NEIN. Laut und deutlich: NEIN. Da kann MAN nichts mehr machen.

Und doch muss man. Soll man. Will man? Wie auch immer. Die Behinderung geht nicht mehr weg. Wer damit lebt, wird oft behindert und kriegt im Laufe der Zeit Einiges zu hören. Mir persönlich sind unter anderem die folgenden Aussagen zu Ohren gekommen:

 

- Wir alle haben unsere Bürde zu tragen! Jeder hat was.

- Manches ist sichtbar, und anderes halt nicht!

- Du lebst aber ganz gut mit deiner Behinderung, oder?

- Also, ich könnte das nicht.

- Und dieses Hinken, das bleibt?

- Du solltest, um schmerzfrei zu werden, mehr trainieren. Was anderes bleibt dir leider nicht übrig.

- Weißt du, was mir jeweils hilft? (Es folgt ungefragt und wahlweise die Nennung diverser Therapien, Behandlungen, Medikamenten oder Naturpräparaten).

Nun, für meinen Teil habe es mir zum Inhalt gemacht, im Leben glücklich zu sein, mit allem was ich habe oder auch nicht habe. Und deshalb belastet mich die Frage, wenn sie mir denn mal wieder gestellt wird (und das kommt vor) meist nicht mehr. Und dabei hilft mir mein Selbstwertgefühl. Daran lohnt es sich zu arbeiten, denn wenn dies gestärkt ist, ja dann nimmt man es oftmals nicht mehr so persönlich! Was auch hilft, ist darüber zu reden. Oder auch zu schreiben. Das tue ich auf meinem persönlichen Blog auf Facebook: Beinemachen

"Man kann immer was machen! Glücklich sein, zum Beispiel. Am Besten tut man es nicht alleine, aber selber. Oder man kann auch mal Nichtstun. Denn auch das - will gelernt sein. " Tonia von Gunten

Passend zum Thema las ich vor einiger Zeit das Buch "Kann man da noch was machen?" von Laura Gehlhaar. Sie sitzt seit ihrem 22. Lebensjahr im Rollstuhl und bekommt selber auch die seltsamsten Dinge zu hören. Gerne hätte ich Sie für meinen Blog für ein Interview gewonnen oder mich mit ihr unterhalten, doch bis jetzt kam dies leider noch nicht zu Stande. Deshalb geb ich euch hier die Empfehlung ab, ihr Buch zu lesen. Da nimmt uns eine Frau an die Hand und erzählt dabei so offen und höchst unterhaltsam aus ihrem Leben. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund und lässt wirklich kein Thema aus. „Was hat ihr geholfen, im Leben mit den schwierigen Situationen umzugehen? (Seite 61, Frau Heinrich Funkel). Wie nimmt sie ihre Behinderung an? (Seite 27, Kapitel Wasserkästen). Wir erfahren auch, wie sie dazu kam, einen Blog über sich zu schreiben. (Seite 146, Norovirus) und wie sie mit dem Anglotzen (Seite 101, Blicke) umgeht. Ihre Erlebnisse gehen echt unter die Haut!

Das Buch trägt zur Sensibilisierung der Themen körperliche Behinderung und Inklusion bei. Denn auch wenn die Begriffe in aller Munde sind, in der Praxis sind sie noch lange nicht angekommen. Laura Gehlhaar sagt: „Ich wünsche mir einfach nur, dass man mich sein lässt. Ich will selbstverständlich genommen werden.“ Dieses Buch ist traurig und lustig zugleich und unterstreicht diese Aussage bestens und gibt interessierten Menschen einen wertvollen Einblick ins Leben mit einem Rollstuhl. Lesenswert!

Buchbesprechung: Tonia von Gunten, elternpower.ch

 

Zum Buch: "Kann man da noch was machen?", Laura Gehlhaar. Erschienen 2016 im Heyne Verlag. Softcover, 256 Seiten, Masse: 12,4 x 2,4 x 19,4 cm, ISBN 978-3453603677

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