Ich will ein Eis!

Endlich kommt die Sonne zwischendurch ein bisschen zum Vorschein. Die Kinder haben bald Ferien ...

und man möchte baden gehen. Du packst ein Picknick ein und freust dich auf den Nachmittag mit den Kindern im Freibad. Zu Hause erklärst du deinen Lieben, dass es dort weder Eis noch Pommes Frites geben wird: „Wir werden heute nichts dergleichen kaufen.“ Die Kinder nicken verständnisvoll. Sie freuen sich auf das Picknick und vor allem auf die Abkühlung im Wasser.

Aber dann sagt dein Kind im Bad plötzlich laut und deutlich und vor Publikum zu dir: „Ich will ein Eis! Und Früchte ess’ ich nicht!“ Du schaust das Kind an. Die Eisverkäuferin schaut dich an. Das Kind wird lauter: „Ich will ein Eis. Bitte, Mami, bitte!“ Sämtliche Eltern und Kinder rundherum richten ihre Augen auf dich, oder zumindest kommt es dir so vor. Und das Kind hört nicht auf mit bitten und betteln.

"ICH WILL EIN EIS!"

Wie wirst du darauf reagieren? 4 Möglichkeiten stehen zur Auswahl:

  1. Ok! Früchte mag ich eigentlich auch nicht so besonders. Welches Eis hättest du denn gern?
  1. Du kriegst jetzt kein Eis. Aber ich weiss, dass du gern eines hättest. Welche Früchte magst du eigentlich am allerwenigsten?
  1. Das sagst du jetzt sicher nur, um mich zu ärgern! Du weißt doch ganz genau, dass es um diese Zeit nie ein Eis gibt. Und sowieso isst du jetzt zuerst deine Früchte!
  1. Das habe ich jetzt nicht gehört!

Ich bin heute für die 2. Antwort. Damit wird dem Kind sehr schnell klar, dass ich bei meinem Vorsatz bleibe, dem Kind kein Eis zu kaufen. Obwohl es grundsätzlich ja nicht falsch ist, ein Eis zu wollen. Denn wir bestimmt denn, zu welcher Zeit man Lust auf ein Eis haben soll? Aber es ist leider so, wir können nicht immer nach Lust & Laune leben und essen.

Die Sache mit dem Obst finde ich ja sehr spannend. Bestimmt gibt es dabei Früchte, die das Kind mag. Aber sicher nicht, wenn es eigentlich gerade Lust auf ein Eis hätte, da habe ich volles Verständnis. Denn eine Frucht ist schliesslich kein Eis. Die Kinderwünsche nicht zu erfüllen, Nein zu sagen und dabei zu bleiben ist für die meisten Eltern nicht einfach. Aber letztendlich ist es enorm wichtig, dass wir es dennoch tun und die Verantwortung übernehmen. Dass wir Entscheide treffen und eine ungefähre Vorstellung haben, was sinnvoll ist und was nicht. Und für Kinder es ist wichtig zu lernen, mit einem Nein umgehen zu können.

Wir Eltern müssen es dann einfach ein bisschen aushalten und dem Kind die nötige Zeit lassen, um das NEIN zu verdauen. Sonst nichts! Es muss uns ja nicht freudig umarmen, dabei lächeln und Verständnis für unser NEIN haben. Denn es ist doch einfach so! Manchmal im Leben ist man unzufrieden, dies gehört dazu. Solange man sich von seiner Familie aber ernst genommen fühlt, ist es nur halb so schlimm.

Und welche Früchte magst du am allerwenigsten?

 

Herzlich, Tonia von Gunten

Dieser Text stammt aus meinem Buch "Sollte aufräumen - will aber nicht, Inspiration für Eltern". Und dies gibts hier!