Die Kinder so nehmen wie sie sind?

Manche Personen möchten ihre Kinder am liebsten reparieren lassen. Als wären sie kaputte Velos.

Man will sie abklären, therapieren oder ihnen sonst irgendwie dazu verhelfen, sich hier und da zu verbessern. Denn so wie sie sind, scheinen sie nicht zu genügen und uns damit Freude zu bereiten. Man denkt dabei sofort an alle andern: „Was die sich wohl denken, so wie sich mein Kind benimmt!“ oder an die berufliche Zukunft: „Wenn du es jetzt nicht lernst, ist der Zug abgefahren. Es wird immer schwieriger und sie nehmen für die Lehrstellen dann nur die Besten bla bla bla...“

Und jetzt stellt euch mal vor, wie das für ein Kind sei muss. Immer wieder zu spüren: „Ich bin nicht gut genug!“ Zur Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls trägt dies sicherlich nicht bei. Dabei könnten wir Eltern uns doch entspannen und das Leben viel mehr geniessen. Könnt ihr das? Dazu müssten wir in der Schule und Familie das Kind erst mal so annehmen, wie es heute ist. Wir könnten die Zeit, die wir hier zusammen haben, besser nutzen. Wir könnten einander weiter kennen lernen, Spass haben und Dinge zusammen tun, die glücklich machen. Wollt ihr das?

 

Umgang mit schwierigem Verhalten

Klar besteht das Leben mit Kindern nicht nur aus Zucker und es herrscht auch nicht immer FriedeFreudeEierkuchen. Und ich meine jetzt auch nicht, dass wir jedes Theater, schwieriges Verhalten oder Grenzüberschreitung bei Kindern und Partner immerzu gut finden müssen. Auf gar keinen Fall! Denn jeder sollte sich in der eigenen Familie sicher und wohl fühlen. Und wenn dies nicht der Fall ist, ja dann muss sich was verändern. Dabei haben wir Eltern es in der Hand, da die Verantwortung in der Familie zu übernehmen und (wieder) zu führen.

Wenn wir ein schwieriges Verhalten bei Kindern wirklich verändern müssen oder wollen, weil es uns selber wichtig ist oder weil die eigenen Grenzen ständig überschritten werden, dann sollten wir den Kindern dabei helfen. Die Frage dabei ist:

„Wie verhält man sich, dass es die andern mit mir aushalten?“

 

Sagen, was Sache ist

Beginnen sollte man damit, dem Kind in einer ruhigen Minute zu sagen, was Sache ist, was mich an seinem Verhalten stört und wie ich es gerne hätte. Nehmen wir mal an, mich störe das Getue des Kindes am Esstisch. Da könnte man in etwa sagen: "Kind, du kommst zu Tisch, stocherst im Essen und sagst, das Essen sei eklig. Das rieche komisch. Ich will das so nicht mehr! Bitte lass diese Bemerkungen und probiere doch auch hin und wieder mal was vom Essen, was nicht zu deinen Lieblingsspeisen gehört. Und sage meinetwegen: Ich hab es nicht so gern oder sage gar nichts. Ich will, dass du das hinkriegst!"

Nun klappt es und wir denken vielleicht, dies sei doch selbstverständlich, dass ein Kind dies nun endlich könne. Ist es eben nicht! Wir sollten uns achten, wenn das Kind sich bemüht. Wir können ihm zunicken, Schulter klopfen, ein paar dankbare Worte sagen und das Verhalten beschreibend loben: "Hey, ich danke dir! Heute war das Essen richtig angenehm mit dir. Du hast dir wirklich Mühe gegeben und über Sachen gesprochen, die dich interessieren. Gerne weiter so!“ Nun weiss das Kind, wie es mir gefällt. Manchmal ist es dass, was es braucht auf seinem Weg. Schliesslich ist niemand perfekt. Wie Virginia Satir schrieb: „Du bist nicht perfekt, ich bin nicht perfekt, und das ist perfekt so.“

Und keine Angst von wegen "aber Lob macht doch süchtig!" Eine Rückmeldung beim Lernen schätzt das Kind, und ein ehrliches Lob tut manchmal gut. Gezielt eingesetzt kann es einem Kind dabei helfen, sein Verhalten zu verändern. Und dann sollten wir es auch mal wieder sein lassen. Mit der „Reparatur“ und mit dem Loben. Und da passt doch mein lanciertes Familienziel für Elternpower ganz gut:

Familienziel 2016:

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Den andern so nehmen wie er ist,

und mich selbst dabei

wohl und sicher fühlen.

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Herzlich, Tonia von Gunten

www.elternpower.ch