In der Öffentlichkeit ist mir das Verhalten meines Kindes manchmal peinlich.

„In der Öffentlichkeit ist mir das Verhalten meines Kindes manchmal peinlich und ich hätte da einfach sehr gerne kurz ein braves Kind. Was kann ich tun?“

Eine Mutter erzählt:

Eigentlich fühlen wir uns sehr wohl und wir leben zu Hause so zusammen, dass es für alle stimmt. Wir Eltern sind für die Beziehung ...

und die Stimmung in der Familie verantwortlich, wir führen und sorgen uns dafür, dass jeder bei uns seine eigenen Grenzen kennen lernen und auch wahren kann. Es ist uns wichtig, dass sich die Kinder ausdrücken lernen. Dass sie benennen können, was sie empfinden. Ihre Ideen sind gefragt, Probleme werden angesprochen und in der Regel auch selber gelöst. Wir haben es oftmals sehr lustig zusammen und am Tisch wird geredet und gegessen und gelacht. Kurzum, wir sind glücklich mit dem was wir haben und es stimmt so für uns.

Nun ist es aber so, dass all diese Werte, die uns im Leben mit den Kindern gut und wichtig erscheinen, in der Öffentlichkeit immer wieder hinderlich werden. Mir scheint, dass die Blicke anderer Eltern auf uns gerichtet sind, während eines der Kinder sehr laut und mit vollem Mund eine seiner nie endenden Anekdoten zum Besten gibt. Es wird immer rumgeschrien, gepoltert, mit andern geblödelt. Immer haben die Kinder Lust, was zu essen. Es wird um Süssigkeiten oder Geschenken gebettelt, worauf ich einfach NEIN sage. Wenn ich nach Hause gehen will, sind die Kinder verschwunden, so dass ich mehrmals rufe, sie suche oder hole. All dies ist mir so peinlich und es macht mich müde.

In der Öffentlichkeit möchte keine Mutter mit ihren Kindern negativ auffallen, auch ich nicht. Am liebsten hätte ich Kinder, die sich so verhalten, wie sie es zu Hause auch tun. Aber nein, das tun sie nicht! Warum ist das so? Und warum ist es mir nicht egal, wie peinlich sie sich aufführen? Sollen die andern doch denken: Die kann es ja auch nicht besser. Hast du gesehen, wie die Kinder sich verhalten? Oh meine Nerven. Da sind ja meine richtig brav dagegen. Die wissen noch, was sich gehört. Man bleibt bei Tisch bis das Essen fertig ist. Man grüsst, bedankt sich, fragt, wenn man was gerne hätte, sagt möchte gern statt ich will. Man hält sich zurück, ist leise, macht kein dummes Gesicht und die Kleider nicht schmutzig. Wenn ich rufe, ist man zur Stelle.

Oh! Wenn ich das jetzt dir so sage, muss ich wirklich den Kopf schütteln. Nein, nein, NEIN! Das will ich doch auf gar keinen Fall. Das kanns ja echt nicht sein! Das war doch früher so ...

Tonia von Gunten: „Du hast Recht! Wir wurden brav und angepasst, klar. Und was nützt uns jetzt die Fähigkeit? Und plötzlich soll man sich hinstellen und selber wissen, was man für gut und richtig empfindet? Welches Essen man mag und wann man selber satt ist. Wofür man sich entscheiden will und wie man sich selber abgrenzen kann. Wie man eigene Probleme löst. Oh nein! Wir lernten durch das Angepasst und Brav sein bestimmt nicht, wer wir selber sind, oder?

Kinder lassen sich von uns inspirieren und sie wollen kooperieren. Wir sollten ihnen im Leben lernen, wie man sich so verhält, dass es die andern mit ihnen aushalten, und das machst du. Aber auch das braucht Zeit! Sie lernen mit uns, was wir denken, sagen und tun und wie wir miteinander umgehen. Sie schauen ab und probieren selber aus. So ist das. Sie werden dabei vieles mitnehmen, was für sie stimmt. Und da bin ich froh und sehe freudig und gespannt darauf in die Zukunft.

Nein zu sagen macht Eltern manchmal wirklich müde, doch es gehört zum Spiel mit dazu. Es geht ganz vielen andern Eltern auch so wie dir. Doch ich bin mir sicher, dass es sich für euch auszahlen wird, wenn deine Kinder heute schon so sein dürfen, wie sie eben sind. Manchmal halt auch ein bisschen peinlich ...“

Buchtipp:

Tonia von Gunten: „Sollte aufräumen – will aber nicht“, Inspiration für Eltern“, Blue Bubble Verlag, 2015, 148 Seiten, CHF 25.90